Was mich an Satsang nervt... (Achtung Ironie!)

 

Da sitzen Menschen, die sich für nicht erwacht halten, meist einem oder mehreren Menschen gegenüber, die sich für erwacht halten, währen die letzteren davon erzählen, wie es ist, erwacht zu sein, und wie man sich im Prinzip einfach nur auszurichten hätte, um ebenfalls erwacht zu sein. Erwacht, ja, das klingt gut! Es ist allerdings noch viel einfacher: man ist es ja schon längst und merkts einfach noch nicht!!!!!

Damit die Leute es endlich merken, dass sie es ja schon längst sind, müssen immer mehr Leute, die sich für erwacht halten, immer mehr Satsang geben und sich immer lauter “spirituelle Lehrer” nennen, denn inzwischen muss man sich schon anstrengen, um aus der Masse von Spiri-Lehrern ein bisschen hervor zu stechen. Dazu bietet sich an, möglichst nondual zu sprechen, das Wort “Ich” zu vermeiden, und dabei den Fokus so sehr auf das Absolute zu richten, dass auch dem letzten Idioten klar ist, dass in der Dualität nichts Absolutes zu finden ist. Es ist nämlich so, und zwar unumstößlich: Letztendlich ist all das hier ein Traum, und das Absolute ist die einzig wahre Wirklichkeit.

Ich fand diese Dualität auch schon immer einfach nur beknackt. Ewig diese Gefühle, ganz zu schweigen von Gedanken, und einen Körper gibt es auch noch! Nur gut, dass ich über all dem stehen kann, fest im Absoluten verankert, im DAS, in der Leere und in der Glückseligkeit, die ich natürlich seitdem gepachtet habe. Mein Körper ist durchlichtet, meine Gedanken nehme ich nicht mehr ernst, und die Gefühle gehören gar nicht zu mir. Gibt ja kein Ich. Leider ist mir dabei nicht aufgefallen, dass sich mein (inzwischen) absolutes Ego nun vom einen Ende bis zum anderen Ende des Himmelszeltes aufgeblasen hat und mich lenkt wie eine Marionette. Ich bin nämlich nicht nur das Absolute, sondern auch noch der/die Einzige, die es blickt, was eigentlich abläuft...

Seit ich weiß, dass ich das Absolute bin, und sonst nichts, nehme ich jeden aufsteigenden Impuls als eindeutigen Hinweis aus dem Absoluten. Er ist ganz klar ein Hinweis an mich, göttlich, sozusagen ein Tropfen aus Nektar – und von daher ebenso absolut wie das Absolute und für den Moment unumstößlich richtig. Auch wenn ich vielleicht Lust habe, Leute zu beschimpfen oder übel anzumachen – es ist richtig! Jippiiiie! Ich habe schließlich den Impuls!!!! Ich weiß ja, ich kann nichts tun, ich muss nichts tun als dem einfach nur zu folgen, um im Fluß zu sein, und außerdem um zu demonstrieren, wie frei ich bin, und dass ich mich nicht von der Scheiß-Dualität in irgendeine Rolle zwingen lasse... Gottes Willen bloß nicht...

Also, da sitzen jede Menge unerleuchtete Schafe, während der/die Erleuchtete aus der Weisheit des Seins spricht. Und hinterher fühlt man sich auch schon fast erleuchtet, geht nach Hause, genießt noch ein wenig die Stille, bis irgendwas triggert und man merkt, dass sich leider doch zu vorher nichts geändert hat.

Satsang-Lehrer sprechen nicht nur davon, wie schön es ist erwacht zu sein, sondern auch, wie schrecklich, wie leer, und wie scheiße, weil alles abgefallen ist, so dass nichts mehr zu einem gehört. Dumm, wenn die Lotusblüte einfach rein bleibt, obwohl sie aus dem Matsch erwachsen ist. Aber super, wenn man den Matsch einfach ignoriert, die Wurzeln und all den schlammigen Weg, den man gehen musste, um diese Reinheit zu werden, man tut einfach so, als hätte es das nie gegeben, als gäbe es all das weiterhin nicht, man muss nur kräftig aufhören, sich damit zu identifizieren. Die Lotusblüte (das Absolute) ist jedoch als Identifikationsobjekt erlaubt bzw. wird sogar empfohlen!

Überlassen wir den Schlamm, aus dem wir auch weiterhin emporwachsen, weiterhin seinem Schicksal. Unser reines Bewusstsein hat besseres zu tun, als sich mit dem alten Schmodder zu befassen. Gehen wir den Weg zum Erwachen, oder besser noch, kapieren wir endlich, dass wir schon längst erwacht sind, um ebenfalls mit dem Schmodder nichts mehr zu tun zu haben... geil...

Manche geben Satsang, ob man will oder nicht, bei Facebook oder so... Das Thema “Erwachen” und wie fühlt man sich als Erwachte(r) ist dabei das Beliebteste. Denn wie fühlt man sich? Wie ein ganz normaler Mensch. Nur dummerweise ist einem die Dualität abhanden gekommen, die hat doch immer so viel Spaß gemacht, und nun? Futsch. Wirklich bemitleidenswert... Beliebt ist auch das philosophische Grübeln, wie könnte man es noch besser ausdrücken, dass Advaita Nichtzwei heißt und man trotzdem einen Mund zum Sprechen hat... wie könnte man es besser beschreiben, um es den Nichterwachten endlich klar zu machen, in welcher außergewöhnlich, gewöhnlichen Lage man sich befindet?

Sicherlich, es ist wohl so, dass die Menschen, die kommen, im Grunde nach Heilung und Frieden suchen. Ich helfe ihnen, weil ich weiß, wie sich Heilsein und Frieden anfühlen! Ich helfe, weil ich es ihnen erzählen kann, wo sie eigentlich schon sind, nur eben, einfach zu doof, es zu merken...

Möglicherweise gäbe es viele Methoden, viele Wege, viele Möglichkeiten, um heiler und freier zu werden, doch die interessieren mich nicht, die sind ja alle in der verkackten Dualität!!!!! Und das KANN ja gar nicht wirken!!! Diese Möglichkeiten, vielleicht auch noch wissenschaftlich untermauert, können nichts bringen, denn ich übertrage meine erlebte Erwachens-Methode auf die ganze Welt als die einzig Richtige!!!! Alles andere ist schlichtweg Müll. Meine Methode und meine Sicht auf die Welt, in all meinem Leiden an der Nondualität, in all meiner Einsamkeit durch die Nondualität, in all meinem Jammern darüber, dass es einfach nicht auszudrücken ist, weil es so schrecklich einfach ist, dass es einfach nicht zu sagen ist.

Ja, es muss laut und immer wieder, immer wieder gesagt werden: Jetzt bin ich nicht mehr das Opfer meiner Traumata!!! (meines Schlammes um die Füße), sondern (und das merkt eh keiner) meines Erwachens und all der Gedanken darüber, wie es ist, was so besonders daran ist und wie es sich anfühlt. Mein glorreicher Erwachens-Mind ist komplett frei gelassen und schwadroniert tagaus tagein über dieses Thema, denn es ist mein Lebensinhalt geworden. Jetzt bin ich kein Opfer mehr, sondern einfach nur getrieben von meinen Impulsen, den Menschen dringend helfen zu müssen, indem ich mein Erwachen nicht nur verkünde, sondern es endlich der Welt verständlich rüberbringe... *schulterklopf* So brauche ich  mich nicht auf das Kartoffelschälen zu konzentrieren, sondern denke dabei lieber darüber nach, wie ich es erklären kann, dass ich weder die Kortoffel, noch der Schäler bin...

Oder hab ich vielleicht was Wesentliches vergessen???

...sorry, geh ja schon in Deckung...

ps. Ich möchte anlässlich dieses Postings was zu meinem Buch “Klartext zum Erwachen” sagen – es enthält auch nichts Anderes als das oben beschriebene Gequassel zum Erwachen, und inzwischen würde ich es so nicht mehr schreiben und ist mir auch fast schon peinlich. Nehmen wir es deshalb bitte ohne große Erwartungen, einfach als Zeitzeuge, es geht um meine Zeit von 2006. Danach ging es noch tierisch weiter, es gab und gibt noch so viel zu lernen und zu finden... Die Evolution treibt uns alle voran... Es gibt kein Stehenbleiben, aber Heilung gibt es! Aber nicht nur durch Ewachen... Und: ob es jemals etwas Endgültiges geben wird, wage ich zu bezweifeln.


AUTOR: Gabriele Palm, 19.9.2015
QUELLE: Innesein-Blog