Erleuchtung ist für mich nur ein seelischer Phantomschmerz, der vergeht, sobald man spürt, dass einem nichts fehlt.

DAS SUPERKONKRETE LEBEN


Ich spüre alles absolut.

Auch das Wort "ich":

es ist ein Gedanke neben allen anderen.

Man baut damit Sätze.

Es geht schneller, "ich" zu sagen, als großartig zu erklären, wer das genau ist.

Da ist es nämlich bereits ein anderes.

Ein einziges, großes, letztes "wer" konnte ich nirgends entdecken.

Es ist nur ein Wort.

Man baut damit Sätze.

Blumen blühen ohne Worte.

Galaxien wirbeln ohne Worte um ihre schwarzen Löcher.

Ich ist nur ein Wort.

Gott ist nur ein Wort.

Das Absolute ist nur ein Wort.

Wer braucht Worte, wenn er "niemand" ist?

Ich spüre alles absolut.

Oder richtiger (ohne das Ichwort):

Das Spüren spürt alles absolut.

Das klingt aber fürchterlich erleuchtet.

Ich mag diesen Spirijargon einfach nicht.

Es klingt so fürchterlich wichtigtuerisch.

Heiliges Geschwafel.

Ich mag mich normal unterhalten.

Von Ich zu Ich.

Obwohl es uns nicht gibt.

Wir können uns wortlos in die Augen schauen und breit grinsen.

Begegnung braucht keine Ichs.

Begegnung passiert zwischen realen Menschen.

Aus Fleisch und Blut.

Wir halten uns an den Händen und sagen:

"Ich liebe Dich."

Was wir aber meinen, ist in Wahrheit:

"Unsere Hände halten sich."

Das ist konkret.

Das ist absolut konkrete Liebe.

Das ist das echte Leben.

Das ist die Wahrheit.

Genügt Dir diese Wahrheit nicht?

Alles spürt sich absolut.

Was für ein Satz!

ALLES SPÜRT SICH ABSOLUT.

Es fehlt nichts.

 

 

AUTOR: Pier Zellin, 2015
QUELLE: Facebook-Kommentar