"DAS, Gott oder auch die Leere oder die Stille,

das Nichts, das gleichzeitig Alles ist, die Quelle...

ist ewig und jenseits von Raum und Zeit.

Wie kann man nun in einer (imaginären) Welt

voll und ganz Mensch sein?

Was bedeutet das und wie lebt man dieses

Paradoxon als erwachter Mensch?"

Malou, FORUM ENLIGHTENMENT 2017 IST ABGESAGT!

 

 

Forum Erleuchtung und forum enlightenment

Ein persönlicher Rückblick

 

Sechs Jahre lang war das Forum E sozusagen die Liebe meines Lebens. Und wie es bei einer verflossenen Liebe meist so ist, gab es auch hier Verliebtheit, Liebe und eine schmerzliche Trennung. Zurückdenkend bin ich immer noch sehr berührt von all der unvergleichlichen Schönheit, aber auch vom Schmerz über das Sterben dessen, was mal so wunderbar war. Aber auch hier zeigt sich nichts anderes als die Vergänglichkeit aller formhaften Erscheinungen. Ich stelle diesen sehr emotionalen Aspekt des Ganzen an den Anfang dieser Geschichte, um gleich zu zeigen, dass es sich bei dem Forum um weit mehr als einen Kongress oder ein Festival handelte. Am ehesten möchte ich es mit einem Kunstprojekt oder einer Heiligen Messe vergleichen. Doch nun von Anfang an:

 

2011 hatten zwei Freunde die Idee. Romen Banerjee und Rainer, die ich von unserer sangha um Christian Meyer her kannte (dort haben wir mit anderen jahrelang meditiert, waren aber schon ne Weile weg, u.a. weil der Personenkult um Christian immer krasser wurde), hatten also die Idee, man könnte doch eine Art "Familientreffen" machen: all die Leute, deren spirituelle Suche durch einen plötzlichen Wegfall aller Fragen (also dem sogenannten Aufwachen oder Erwachen) zu einem Ende gekommen war, zusammenbringen in einem Kongress, sowie ein Buch rausbringen, wo mal zusammengetragen würde, was allen gemeinsam ist und auch wie vielfältig sich das Aufwachen zeigen kann und wie unterschiedlich es davor und danach sein kann. Ich war sofort begeistert, hatte bis dahin noch mit fast niemandem über dieses "(Nicht)Ereignis", das mein Leben verändert hatte, gesprochen und war gleich bereit, mitzuhelfen - wo und wie auch immer. Uns eigen war zum einen keinerlei kommerzielles Interesse und zum anderen ein uneigennütziger Forschergeist.

Gesagt, getan! Alle Gurus, Lichtnahrungsmenschen, Heiler und satsang Lehrer, die wir kannten, wurden eingeladen. 27 kamen zum ersten Treffen (und weitere 120 Teilnehmer). Im ersten Kongress, wie im Buch ("Erleuchtung – Phänomen und Mythos"), ging es in erster Linie darum, was Erleuchtung ist und was Erwachen, das Davor und Danach, Historie, Schulen, wie verändert es das Leben, was machten alle danach, wer wurde Lehrer und wer hat sich zurückgezogen, gab es "Rückfälle", ist der Frieden von Dauer, wodurch unterscheiden sich die einzelnen Wege, gibt es überhaupt Wege ... Je tiefer wir eintauchten, umso mehr Fragen und Aspekte des Themas wurden sichtbar. Es war unglaublich, wie ein X-Men-Treffen oder ein Alienmeeting, Freakshow oder Götterszenario in einer griechischen Tragödie, Gelehrte und Spinner begegneten sich. Manchmal fühlte es sich an wie in einem SciFi-Film. Leute, die normalerweise eher Einzelgänger sind und nicht so viel sprachen, kamen zusammen und redeten sich die Köpfe heiß. Es schien, als wurde ein hochpotenziertes Elexir Wahrheitsliebe und Forschungsgeist verabreicht, das das Experiment Menschsein begreiflich werden ließ.

Von Anfang an gab es viel Raum für Musik und Kunst und natürlich viel von dem, was wir alle sehr lieben, nämlich Stille. Nirgends schien die Luft so dicht, waren die Augen so klar und das Einssein so spürbar, wie dort ... an jenem Ort, der ortlos wurde und zu jener Zeit, die jede Zeit beinhaltete ...

Ich mache an dieser Stelle einen Sprung zum heiligen Berg Arunanchala, einige Jahre später, Dezember 2015. Es hatten dazwischen weitere Forum Erleuchtung Treffen stattgefunden und nun waren wir mit dem Forum in Tiruvannamalai, wo wir hauptsächlich schweigend zusammensaßen und kollektiv das bezeugten, was ist, so still und friedlich und waren, miteinander verbunden, der Liebe selbst gewahr. Es war einfach und wahr, ohne Ziel, ohne Thema, ohne Trennung ... Ja, das klingt vielleicht eso, spiri oder einfach seltsam, aber besser kann ich es nicht formulieren.

Danach habe ich die Leitung übernommen, das Forum Erleuchtung umbenannt in forum enlightenment, was für mich den erleichternden Aspekt in den Vordergrund rückte, habe mich von dem Wort "Kongress" getrennt, weil es mir nicht mehr passend erschien und im Juli 2016 fand das erste forum enlightenment statt.

Das Thema war "Menschsein" und es ging darum, wieder "vom Berg runter" zu kommen und einfach zu leben. Ich habe die Trennung Schüler/Teilnehmer aufgehoben, weil sie mir nicht mehr zweckmäßig erschien und eingeladen, die Aufmerksamkeit auf das Theater des Augenblicks zu richten, die Unwissenheit einzuladen und das Wissen nicht so wichtig zu nehmen, sprich: weniger Diskussionen,  mehr miteinander sein. (Wie davor in Indien, wo es schon so wunderbar einfach war.) Folge: den Advaita-Leuten wurde langweilig, den elitären Lehrern war das Niveau zu niedrig und der Rest der Gruppe feierte den Moment, die Verbundenheit, das Leben und die Liebe.

Danach wurde es zunehmend schwierig. Mittlerweile boomten spirituelle Kongresse und Online-Kongresse; alle konnten sich jetzt in der Öffentlichkeit zeigen und an ihrem Image arbeiten, brachten Bücher heraus und filmten sich, wie sie diese und jene spirituelle Geschichte zum hundertsten Mal erzählten. Ein riesengroßer Markt mit einer riesengroßen Nachfrage war um uns herum entstanden. Zwei Leute aus unseren Reihen machten eine Konkurrenzveranstaltung "Berlin Kongress Erleuchtung" mit noch mehr spirituellen Lehrern und errichteten das größte Netzwerk "erleuchteter Lehrer" in Europa, aber - im Gegensatz zu uns - mit richtig guter Werbekampagne und richtig Umsatz! Ein Mega-Event nach dem anderen wuchs wie Pilze aus dem fauligen Boden. Der Großteil der Leute versuchte, "DAS" zu vermarkten und ihr "erleuchtet sein" zu Geld zu machen. Was für ein kranker Schwachsinn!!! Als gäbe es eine Person, die erleuchtet sein kann! Entweder es ist keine Identifikation mit der Form da, also ein freies Sein, das sich selbst bezeugt - dann ist auch keiner da, der aufgewacht sein könnte. Oder da ist eine Identifikation mit der Person, dann ist aber keine Erleuchtung da (kurz gesagt).

Mehrere Aufrufe, uns doch wieder auf das Wesentliche zu besinnen, liefen ins Leere. Stattdessen mußte ich mir anhören: "Mach doch die Werbung besser" und: "Wir sollten mehr Geld einnehmen". Es ging ums Catering und die Unterkunft, die Website-Gestaltung, und welche Lehrer nicht eingeladen werden sollten. Ach, es war so gemütlich, das spirituelle Ego zu nähren, wieder jemand zu sein, ein Aufgewachter! Geil! Anstatt den Weg der Wahrheit kompromisslos weiter zu gehen, niemand sein, nichts wissen, Demut und Hingabe an das, was ist, keine Kontrolle zu haben ...

Das war nicht mehr hinzubiegen und so habe ich den Virus, der die Szene befallen hatte, mit dem Wirt getötet und beerdigt - um das Liebste nicht zu verlieren, das ich gefunden hatte: die Wahrheit, die immer wieder frisch und neu, nur in totaler Unwissenheit gelebt werden kann.

Das war jetzt so kurz wie möglich die Geschichte, die wie immer wahr und unwahr ist, je nach Perspektive.

 

 

Autor: Malou (Marion Schaller), 27.6.2017

Mehr Infos "mit weniger emotionalem Mimimi" (Zitat Malou) hier: POSTSPIRITUELL



2012 hatte die neue Satsang-Bewegung ihren Zenit bereits überschritten. Aus Satsang wurde allmählich Satire, aus Erleuchtung wurde Erschöpfung: das spirituelle Burn-out machte sich breit. Umso leichter wurde es, sich in einen Guru zu verwandeln und Geld mit dem NICHTS zu verdienen...