"Man ist nicht, wie Eltern und Lehrer einem weismachen wollen, ein bloßer Fremdling im Weltsystem, sondern gleichsam das Ende einer Nervenfaser, durch welches das Universum sich selbst betrachtet. Aus diesem Grund hat beinahe jeder Mensch tief im Inneren ein unbestimmtes Ewigkeitsgefühl. Wenige haben den Mut, sich dazu zu bekennen, denn das würde auf den Glauben hinauslaufen, daß man selbst Gott sei."

Alan Watts, ZEIT ZU LEBEN (1972)

(APFEL)無(S)

JEDER APFEL IST EIN ABSOLUTER APFEL, ABER DEN APFEL "AN SICH" GIBT ES NICHT - MU!


Das scheinbare Begriffspaar Nondualität & Dualität ist in echt gar kein dualistisches Gegensatzpaar sondern selber nur eine komplementäre Dualität! Wer nondual wahrnimmt, überwindet lediglich den philosophischen Dualismus (das Spaltspiri-Syndrom) und kann die NATÜRLICHE DUALITÄT des Lebens endlich entspannt wertschätZEN - ohne zwanghafte Sehnsucht nach einem metaphysischen Fluchtort. Die buddhistische Befreiung vom Leiden bedeutet nicht, daß keiner mehr leidet, sondern daß "Leiden" an sich ebenso wertFREI wie "Genuss" empfunden wird: erleuchtetes Leiden & Genießen ist das natürliche, wertfreie Dualitätsempfinden des nondual Erwachten!

 

Dualismus & Dualität werden im Spirijargon andauernd verwechselt, was zu unnötigen, unnützen Debatten führt. Der Dualismus ist eine klassische philosophische Haltung (Schule, Strömung, Richtung, Tradition), die behauptet, das Sein hätte ZWEI Seiten (schwarz/weiß) wie eine Medaille. Typische dualistische Begriffspaare sind Diesseits & Jenseits, Erde & Paradies, Vergänglichkeit & Ewigkeit, Leiden & Glück, bedingungslose Liebe & Ego-Projektion, Nixraffen & Erleuchtetsein, Penntüte & Guru, Zahnpasta & Lichtnahrung etc. pp. Dualismen werden als grundsätzliche GEGENSÄTZE definiert, Dualitäten als komplementär ineinander fließende Pole des YIN YANG Spektakels: Dualität bezeichnet nicht zwei fundamental entgegengesetzte Seiten des Seins an sich sondern die natürliche Interaktion bzw. Interdependenz aller Elemente (von grell hellgrau bis dunkel sattgrau), die durch Abgrenzung voneinander überhaupt erst als solche voneinander getrennte Objekte sichtbar sind. Typische Dualitäten sind z.B. Distanz & Nähe, Trauer & Freude, Hingabe & Hass, Empathie & Ekel, Banane & Rosenkohl, Jammern & Staunen, Ablehnen & Akzeptieren, Ozean & Landmasse, Teilchen & Welle, Vakuum & Atmosphäre, Kosmos (außerirdisch) & Planet (Heimat) etc. pp. Es wird deutlich, daß Dualitäten von emotionaler, physikalischer, psychischer und phänomenologischer Natur auf DERSELBEN "Seite der Medaille" (nämlich der lebensweltlichen Ebene) sind, während Dualismen rein philosophische Vorstellungen sind, die das Sein immer irgendwie in metaphysische (bildlos-übersinnliche) und materielle (bildhaft-biochemische) Dimensionen aufteilen. Warum das einmal gesagt werden muss: Sogenannte Nondualisten betonen sehr häufig, daß es "trotz" nondualer Wahrnehmung (das legendäre esoterische Einssein mit allem) "noch immer" Dualität gäbe (den realen allzu realen Stein im Schuh, der zu schmerzhaften Blasen führt), was eigentlich völlig überflüssig ist zu erwähnen, da es nicht die "relativen" Dualitäten sind, die verschwinden (wie bei Demenz: das Gemüse wird auf dem Teller tatsächlich nicht mehr erkannt), sondern die fundamentalen Dualismen! Ein echter Nondualist (ich bevorzuge den Ausdruck TRANSDUALISMUS) erlebt das Sein nicht getrennt in (numinose) Quelle & (neuronalen) Fluss, (reingeistige) Freiheit & (behaviouristische) Kontrolle, Denker (absoluter Weltgeist) & Gedanken (Konditionierung), Erleuchtung (Leere) & Ego (Verstopfung) sondern empfindet das ganze Sein als eine MEHRDIMENSIONALE MEDAILLE MIT NUR EINER EINZIGEN UNENDLICHEN SEITE, auf der sich sämtliche Dualitäten wie Rollen, Kostüme, Figuren, Variationen, Mutationen, Dialoge, Konfrontationen, Entscheidungen, Vorlieben, Geschmacksfragen, Zustände, Kausalitäten, Wirkungen, Abwägungen, Vergleiche und persönliche Bewertungen von Nuancen abspielen: es wird geliebt und gehasst, gesehen und geleugnet, gefressen, gemordet, gefickt, geregnet, gesonnt, geboren, gestorben und was auch immer: das ganze normale Leben. Der einzige Unterschied zum noch nicht nondual Erwachten besteht darin, dass sich der dualistische Aberglaube des Egos aufgelöst hat, es gäbe eine angebliche Quelle am Anfang des Flusses und einen vermeintlichen Ozean an einer erhofften Mündung. Der egofreie Geist ist sich darüber bewusst, selber eine Welle oder ein Tropfen des unendlichen (grenzenlosen) Wassers zu sein, das von überall nach nirgendwo fließt. Für Dualisten (sogenannte "Spaltspiris", Zitat Pier Zellin) ist die UNENDLICHKEIT das einzige echte, aber versteckte Problem, das sie rasend macht, wenn sie sich ihm irgendwann stellen müssen (z.B. die Mathematiker, die an der Zahl Pi verzweifeln), weil sich die Unendlichkeit NICHT DUALISTISCH BEGREIFEN ODER DEFINIEREN lässt. Wer mit seiner spirituellen Suche so weit kommt, daß die "letzten" Fragen und "letzten" Antworten wie die endlosen Schildkröten auf dem Rücken der nächsten Schildkröte stehen, kann von Glück reden, denn nur diese letzte gefährliche, zum Wahnsinn tendierende Krise bewirkt überhaupt erst, daß der Geist loslassen kann (insofern die Verkrampfung nicht zwanghaft wurde) und seine eigene "leere" (selbstbefreite: vom Selbst befreite) Unendlichkeit bemerkt, die weder Ego noch Erleuchtung kennt, sondern das RESTLOSE, GRUNDLOSE, BODENLOSE Sein selber IST. Ab jetzt ist die Wirklichkeit selber das einzige Heilige, Absolute, Ultimative, Wahre oder wie immer man es auch kitschig-religiös nennen würde; allerdings machen derartige dualistische Eigenschaftszuschreibungen jetzt keinen Sinn mehr, da es nichts Unheiliges als Gegensatz dazu gibt. Wenn sich das Ego das ganze Sein als eine Medaille mit nur einer einzigen Seite vorzustellen versucht, empfindet es dieses Bild als paradoxes Koan und meint, darüber MEDITIEREN zu müssen, da es sich selbst nicht als Grund für die Verwirrung begreift. Das natürliche Ichgefühl nach dem Erwachen kennt keine Paradoxie, weil es die Unendlichkeit, deren Bestandteil es ist, in jedem Moment erlebt, empfindet und mitgestaltet anstatt wie ein dummer Beobachter von außen zu glauben, auf etwas zu schauen und dessen Kern zu suchen. Das Sein ist komplett kernlos und das erleuchtete Bewusstsein entkernt. Alle Kernfragen entpuppen sich dann als Aberglaube des kernigen Egos, das sich das Sein wie einen Apfel mit Kerngehäuse vorstellt, dessen Schale die "Welt" von einer metaphysischen Transzendenz abgrenzt. Aber in Wahrheit ist dieser Apfel komplett hohl und hat keine Oberfläche! Die Elemente der leeren Unendlichkeit tanzen miteinander ohne ursächliche Ursache und kreisen umeinander ohne existenzielle Wirkkraft auf allen Ebenen ihres Seins, ganz egal ob Du sie dabei durch ein Quantenmikroskop wie ein Wellenmeer beobachten könntest oder die Galaxien beim Explodieren, Verschmelzen und Kollabieren durch ein Teleskop wie gigantische Teilchen. Kein Wunder, daß manche im Angesichte dieses Wunders die Nerven verlieren. Ein Wunder dagegen, daß doch manch ein menschliches Bewusstsein bemerkt, daß es selber aus diesem kosmischen Wahnsinn besteht, der sich im menschlichen Bewusstsein seiner selbst bewusst wird...

 

 

AUTOR: Tom de Toys, 20.2.2018

QUELLE: Exklusive Erstveröffentlichung hier!

ORTHOGRAFIE: vom Autor so vorgegeben

 



2012 hatte die neue Satsang-Bewegung ihren Zenit bereits überschritten. Aus Satsang wurde allmählich Satire, aus Erleuchtung wurde Erschöpfung: das spirituelle Burn-out machte sich breit. Umso leichter wurde es, sich in einen Guru zu verwandeln und Geld mit dem NICHTS zu verdienen...