Die Illusion der Leere als neue Religion

Buchrezension von Tom de Toys über "Suche nicht - sei!: Werner Ablass über Nondualität"


In seinem Lebensratgeber "SUCHE NICHT - SEI!" geht es um nichts geringeres als die "absolute Wahrheit", die er als Gott, Quelle, Essenz, Kraft, Leere und sogar als "bedingungslose Liebe" anbietet. Diese erkennt angeblich, wer sein Ich als Illusion durchschaut und sich nicht mehr mit seiner "Person" identifiziert. Das nennt man dann Erleuchtung oder auch "nonduales Bewusstsein". Glaubt man dem Autor, sucht jeder Mensch "letztlich seine Quelle, weil er sich von ihr getrennt fühlt", denn zur Belohnung gibt es innere Freiheit und Frieden, denn "Frieden ist unser natürlicher Zustand" - und wer möchte sich nicht gerne im NATÜRLICHEN Zustand befinden! Versprochen wird am Ende der Suche eine vermeintliche Desillusionierung, die dazu führen soll, daß man mit einem reinen "Gewahrsein" nichts, was man erlebt, als real empfindet, sondern nur noch als "Manifestation" Gottes, der selber ein "Un-Ding" ist. Die Welt als Traum zu erkennen gilt für den Autor als "Spitze aller Erkenntnis" einer Selbstwahrnehmung als NIEMAND. Dieses Konzept aus Schatten und Licht, Form und Formlosigkeit, Bewegung und Ewigkeit, Dualität UND Nondualität erscheint dem Autor zwar paradox, weil die Wahrheit "so komplex ist". Aber er hat dafür eine göttliche Lösung: "Spirituell Suchende könnten lernen, die Paradoxie nicht als Gegensatz, sondern als höhere Logik zu begreifen." WER das allerdings "begreift", bleibt ein Geheimnis, denn "es wird keine individuelle Person wahrgenommen". Und genau darin liegt die Schwierigkeit seines religiösen Selbsterfahrungskonzeptes: einerseits soll sich die Person auflösen, andererseits soll dann ein Bewusstsein übrigbleiben, das sich nicht mehr mit dem Ego identifiziert, aber trotzdem die "unbegreifliche" LEERE wahrnimmt und als “Liebe” und “Quelle” INTERPRETIERT. Werner Ablass betont dabei, daß KEINE spirituelle Technik zu diesem Ziel führt, weil es gar kein Aufwachen aus dem Traum gibt, sondern nur das Erkennen, daß man sich im Traum befindet, der einem "Spiel" gleicht, durch das Gott überhaupt erst sichtbar wird: "Das Nichts, über das ich hier referiere, ist nicht allein nichts, sondern gleichzeitig alles!" Wer diesen esoterischen Trick versteht, ist bereit für die "bedingungslose Liebe", mit der Werner Ablass Andersdenkende als "ignorante Arschlöcher" beschimpft, wie es mir auf Facebook geschehen ist.

 

Werner Ablass: Suche nicht - sei!: Werner Ablass über Nondualität, Omega-Verlag 2012