"Nichts wirkt durch uns, sondern wir sind das."

Nabala, 2012


"Nix Abgehobenes, nix Spirituelles, nix irgendwo, sondern hier, absolut hier."

Nabhya, 2012


"Und da ist überhaupt nichts notwendig, um was zu lernen."

Neeru, 2012


"Wir machen alle Satsang, den ganzen Zeit. Und irgendwann plötzlich wirst Du es entdecken."

Amrit, 2016


www.Guru2go.de

SPIRISZENE - JAHRMARKT DER LEEREN HÄNDE

Undercover-Gurus lernen das Staunen neuer Religiosität

2012 hatte die neue Satsang-Bewegung ihren Zenit bereits überschritten. Aus Satsang wurde allmählich Satire, aus Erleuchtung wurde Erschöpfung: das spirituelle Burn-out machte sich breit. Umso leichter wurde es, sich in einen Guru zu verwandeln und Geld mit dem NICHTS zu verdienen. Wir verkleideten uns als "spirituelle Sucher", um mehrere Jahre in den neoadvaitistischen Zeitgeist der Spiriszene undercover einzutauchen.

LDL+Nullyoga-Manifeste 2014-2015 im Magazin connection spirit
LDL+Nullyoga-Manifeste 2014-2015 im Magazin connection spirit
Nachdem wir 2012 den damals angesagten Weisheitslehrerinnen NABALA, NABHYA und NEERU auf einem Rainbowspirit-Festival andächtig gelauscht hatten, fanden wir immer mehr Spaß an diesen ungewollten Slapstick-Veranstaltungen quer durch ganz Deutschland. Die meisten Gurus waren mit ihren Anhängern auf Facebook vernetzt, also entschieden wir uns ebenfalls zur virtuellen Präsenz, um uns mit ersten kritischen Kommentaren an diesem täglichen Spiriwahnsinn zu beteiligen. Allmählich verrieten sich all die subtilen psychisch-emotionalen Unterschiede sowohl zwischen den einzelnen Suchern als auch den scheinheiligen, göttlichen und natürlich ziemlich ichlosen Gurus. Es war leicht zu durchschauen, welche antiguruistischen Provokationen zu welchen Reaktionen führten, der Spirizirkus wies einfache, übersichtliche Strukturen auf. Bald schon waren wir durch all die weisen und naseweisen intellektuellen Scheingefechte dazu angeregt, unsere eigenen Erfahrungen mit der ominösen Erleuchtung in Worte zu kleiden, was einen unerwarteten neuen Schritt darstellte: wir gründeten eine eigene Homepage und publizierten einige Manifeste im Szene-Magazin "connection spirit", angefangen bei dem 1.LDL-Manifest in der Ganzheitsausgabe (2014) und in der allerletzten Ausgabe zum Thema Humor (2015) das Nullyoga-Manifest. Der Humor ist leider nicht weit verbreitet unter den zwanghaften Satsangfanatikern, wir verloren im Laufe der beiden Online-Jahre hunderte sogenannter "Freunde". Momentan sind von den anfänglich 2000 Yogis noch 800 in unserem Account übrig geblieben, von denen allerdings nur sehr wenige überhaupt Notiz von unseren Statusmeldungen nehmen. Doch es sind dank der virtuellen Kommunikation auch einige selbst-/szenekritische Gastautoren für unser Portal (www.URRUHE.de) hinzu gekommen, die einigermaßen kompatibles Gedankengut produzieren, zumindest in manchen Texten, die wir dann dementsprechend bevorzugten und in den sozialen Medien bewarben. Insofern war die gesamte Undercover-Mission nicht ganz umsonst. Auf den Retreats und Workshops findet man uns mittlerweile nicht mehr, weder incognito noch geoutet. Genug ist genug, wir haben das große Problem mit der Sehnsucht, erwachen zu wollen, verstanden - das große, spiridiotische Scheinproblem! Der Berliner Psychotherapeut und schon seit langem einer der Szenestars Christian Meyer sagt über den grundlosen Grund: "Das Aufwachen bedeutet die Erkenntnis, dass kein Ich da ist." Und Richard Sylvester, bekannter Lehrer der Nondualität und ebenfalls früher Psychotherapeut, vervollständigt diese Erkenntnis mit der Ergänzung: "In der Freiheit kann alles sein, sogar Neurose." Solange sich diese totale Ich-Freiheit nicht einstellt, ist alles nur überflüssiges, zwanghaftes, verzweifeltes Suchen des Ichs nach seiner eigenen Erlösung und damit ein paradoxes Unterfangen; denn kein Ich kann seine eigene Ich-Freiheit besitzen. Es projiziert diese erhoffte Leere in ein metaphysisches NICHTS, das absurderweise als nondual vermarktet wird. Fast alle Satsanglehrer, die wir auf unserer Mission erlebten, verrieten ihren Jüngern mehr oder weniger offenherzig, dass sie "nichts zu bieten" hätten und mit weit geöffneten leeren Händen da stünden, weil sie nur noch eine ichlose Unperson wären, bei der das absolute Loslassen und Ankommen im "DAS" geschehen sei. Trotzdem werden diese Scharlatane vergöttert, weil schon ein solches Statement auf subtil Depressive (unter diversen Ich-Anteilen Leidende) unglaublich faszinierend wirkt: möchte nicht jeder ein wenig göttliche DAS-Luft schnuppern? Man beginnt an das berühmte HURZ von Harpe Kerkeling zu denken, auch andere Komiker kommen einem urplötzlich in den Sinn. Aber wir befinden uns leider nicht in einer Comedyshow sondern inmitten der deutschen Szene aus Selbstsuchern und Sinnsuchern mit ihrer psychodramatischen Ernsthaftigkeit! Erleuchtung ist in der deutschen Szene eine sehr ernste Angelegenheit, während die Amis sich eher an "Oneness" berauschen, ohne ihr Ich dabei ständig zu untersuchen, zu tabuisieren und zu beleuchten, bis die Nerven erleuchtungserschöpft glühen. Manchmal wünscht man sich dann doch die guten alten Zeiten in Esalen, Goa, Auroville und Findhorn herbei. Das waren wenigstens hochgradig ekstatische Partys ohne diese deutsche Schwermut und Wehmut. Aber solange Neurotiker Satsang als Superwaffe verwenden, um ihr Ich loszuwerden, wird kein Mensch zu einem anderen frei heraus sagen können: "ICH LIEBE DICH." Der natürliche Umgang mit unserem Ich als der wundersamen Fähigkeit des Universums, sich selbst in jedem Gegenüber zu erkennen, ist noch ein unentdecktes Kapitel der menschlichen Zivilisation. Bis dahin wird weiterhin viel Geld für dubiose Meditationstechniken im Umlauf bleiben - in Deutschland wird mehr meditiert als sonstwo auf der Welt. Aber noch mehr Meditation führt nur zu noch mehr Resignation und das spirituelle Burn-out rückt näher und näher. Hör endlich auf zu meditieren und geh Deinen Reis kochen! Lausche den Vögeln dabei und spür die Brise Wind um Deine Ohren: that's life! That's IT. Mehr nicht, völlig egal, ob mit oder ohne Ich. Jedes Reiskorn ist ein Teil Deines Ichs...
 
Postscriptum: DOPPELTE DUALITÄT


2012 hatte die neue Satsang-Bewegung ihren Zenit bereits überschritten. Aus Satsang wurde allmählich Satire, aus Erleuchtung wurde Erschöpfung: das spirituelle Burn-out machte sich breit. Umso leichter wurde es, sich in einen Guru zu verwandeln und Geld mit dem NICHTS zu verdienen...